Dieser Titel wirkt vielleicht irritierend. Natürlich wurden diese Flammenkuchen nicht «mit ADHS» gebacken. Sie wurden gebacken- und dann vergessen.

Dieser Beitrag ist keine fachliche Erklärung zu ADHS. Er beschreibt vielmehr ein Erleben, einen Versuch, etwas sichtbar zu machen, das zu diesem Thema für viele oft unsichtbar bleibt.

Bekannte Persönlichkeiten wie Heidi Klum oder Paris Hilton, bezeichnen (ihr) ADHS in den Medien als «Superpower». Und zweifellos erleben viele Menschen mit ADHS ihre Kreativität, Energie, ihren Ideenreichtum, ihre Neugier oder ihr schnelles Denken als besondere Stärke.

Dieses Bild allein ist aber unvollständig, weil ADHS für viele Betroffene (und auch für ihr Umfeld!) mit echtem Leidensdruck verbunden sein kann. Dieser zeigt sich nicht immer spektakulär, manchmal zeigt er sich in ganz alltäglichen Dingen.

ADHS kann auch bedeuten, immer wieder zu merken, dass man unaufmerksam oder vergesslich ist und sich selbst dafür zu kritisieren. Es kann bedeuten, das Gefühl zu haben, hinter den eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben, obwohl man weiss, was in einem steckt.

Oft geht viel Zeit für Suchen, Neuorganisieren oder Wiederanfangen verloren. Vergessenes, Verlorenes oder vermeidbare Fehler kosten nicht nur Geld, sondern auch Energie, Geduld und Nerven.

Es kann bedeuten aufzufallen, obwohl man das gar nicht möchte, oder innerlich kaum zur Ruhe zu kommen. Dinge des Alltags können schneller überwältigend wirken als für andere.

Man weiss oft genau, was getan werden müsste, während ein Anfangen unmöglich erscheint. Abmachungen oder Termine werden nicht eingehalten, obwohl man sie ernst meint.

Auch (Selbst-)Organisation kann unverhältnismässig viel Kraft kosten. Manche Dinge verlangen enorme Anstrengung, obwohl sie bei anderen selbstverständlich oder nebenbei zu gelingen scheinen.

Und es kann auch bedeuten, voller Begeisterung in Projekte zu starten und nach einer gewissen Zeit zu merken, dass Interesse und Energie nachlassen.

Manchmal geht es nicht darum, dass etwas vergessen wurde, sondern darum zu verstehen, was es gekostet hat, überhaupt so weit zu kommen.
Denn nicht alles, was leicht aussieht, fühlt sich auch leicht an.